Gapgate ist ernster, als es klingt: Spalt am Scharnier eines faltbaren IP68-Smartphones
Nach den gerissenen Innendisplays ist ein sichtbarer Scharnierspalt bei einem als wasser- und staubdicht verkauften Smartphone das zweite Warnsignal. Apple schuldet Käufern eine klare Antwort.
KI-generiertes Bild
Wie viel ist eine IP68-Einstufung wert, wenn man das Scharnier durch die Seite des Smartphones sehen kann? Bei einem faltbaren Gerät für 1.999 Dollar ist das keine hypothetische Frage mehr. Es ist die Frage, die Apple beantworten muss.
Besitzer des iPhone Duo berichten von dem, was inzwischen "Gapgate" genannt wird. Wie Clubic berichtet, können manche von ihnen den Scharniermechanismus durch einen offenen Spalt zwischen der Rückseite des Geräts und dem Rand sehen. Das folgt auf "Crackgate", die Risse im Innendisplay, von denen Apple einräumte, dass nur eine kleine Zahl von Geräten betroffen sei. Apple hat diese Kunden angewiesen, sich für einen Ersatz an AppleCare zu wenden.
Ein Spalt an einem abgedichteten Smartphone ist ein anderes Problem
Bei Rissen versagt ein Bauteil. Bei einem Spalt versagt ein Designversprechen. Das iPhone Duo ist nach IP68 eingestuft, was laut Tom's Guide bedeutet, dass es bis zu 30 Minuten in bis zu sechs Metern Wassertiefe überstehen soll. Eine Dichtung ist nur so gut wie die Fuge, in der sie sitzt. Scharniere sind bei faltbaren Geräten die schwierigste Fuge, weil sie sich tausendfach bewegen.
Vorsicht ist angebracht. Die uns vorliegenden Unterlagen enthalten keinen einzigen Labortest, der belegt, dass durch den Spalt Wasser eindringt. Die vorhandenen Berichte sind überwiegend Beobachtungen von Nutzern und Behauptungen aus zweiter Hand. Einer davon, den wir nicht überprüfen können, besagt, der Kanal JerryRigEverything habe trotz der Einstufung Staub im Scharnier gefunden. Ein anderes Medium schreibt, einige Geräte seien "unsachgemäß montiert" worden. Beides würde auf ein Fertigungsproblem hindeuten, nicht zwingend auf ein Designproblem. Es ist aber auch genau die Art von Behauptung, die Apple an einem Tag klären könnte.
Die beiden Mängel haben wahrscheinlich dieselbe Ursache
Bequem wäre es, Spalt und Risse als getrennte Fehler zu behandeln. Wir bezweifeln das. Die Zerlegung durch iFixit deutete, wie iPhoneSoft berichtet, darauf hin, dass ein fehlerhaftes Scharnier an den Rissen beteiligt sein könnte; Apple hat das nicht bestätigt. Dasselbe Scharnier taucht nun in einer zweiten Beschwerde auf. Das ist ein Muster, auch wenn es nur ein Verdacht ist. Unsere Lesart: Die erste Produktionscharge eines sehr komplizierten Mechanismus zeigt Toleranzprobleme. Bei einem Produkt der ersten Generation wäre das nachvollziehbar. Bei diesem Preis weniger.
Auch Apples bisheriger Umgang damit ist aufschlussreich. Ein internes Memo wies Apple Stores und autorisierte Servicepartner an, betroffene Geräte zu prüfen und dann nach den üblichen Verfahren zu reparieren oder auszutauschen. Apple erklärte, es gebe keinen Rückruf, und ein öffentliches Reparaturprogramm wurde nicht angekündigt. Von einer kleinen Zahl von Geräten zu sprechen, ist legitim, doch ein Memo an das gesamte Reparaturnetz deutet unserer Ansicht nach darauf hin, dass es sich um mehr als eine Rundungsdifferenz handelt. Samsung hat die Risse in Kanada bereits zu einer Instagram-Anzeige gemacht, wie iPhoneSoft anmerkt. Auch den Spalt werden Konkurrenten wohl nutzen.
Was Apple sagen sollte und was Käufer tun sollten
Apple sollte drei Fragen öffentlich beantworten:
- Gilt die IP68-Einstufung auch bei einem Gerät mit sichtbarem Spalt weiter?
- Sind Wasserschäden durch das Scharnier von der Garantie gedeckt?
- Wird ein Spalt wie die Risse behandelt, also über AppleCare ersetzt?
Ohne diese Antworten können Besitzer nur raten. Wer nachträglich beweisen muss, dass eine Dichtung versagt hat, steht schlecht da.
Für Käufer ist unser Rat einfach. Die Kanten des geschlossenen Geräts am Tag der Lieferung sorgfältig prüfen und jeden Spalt fotografieren. Wer einen findet, sollte sich sofort an Apple wenden und das Smartphone bis zu einer Antwort von Schwimmbädern und Stränden fernhalten. Wer noch auf eine Bestellung wartet, muss sich nicht beeilen. Die Lieferzeiten reichen laut Tom's Guide bereits bis ins Jahr 2027, Warten kostet also nichts.
Unser Urteil: Gapgate mag bei den meisten Geräten geringfügig sein und bei einigen wenigen ernst. Aber "die Einstufung funktioniert wahrscheinlich noch" lässt sich für 1.999 Dollar nicht verkaufen. Apple hat seinen Ruf auf Details aufgebaut, die es selbst kontrolliert. Diesmal sollte das Unternehmen das Scharnier erklären, bevor andere es tun.
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