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Bitchats Boom in Frankreich ist ein Vertrauenssignal, keine Sicherheitsgarantie

Vor den Protesten am 24. Oktober schnellten die Downloads in Frankreich hoch, obwohl keine Abschaltung geplant ist. Offline-Chat per Bluetooth ist nützlich, doch Reichweite und ungeprüfte Sicherheit mahnen zur Vorsicht.

Veröffentlicht
24. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
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KI-generiertes Bild

Warum installieren so viele Menschen eine Chat-App, die nur mit Personen in der Nähe funktioniert, obwohl nichts abgeschaltet wurde? Das ist die merkwürdige Frage hinter Bitchats Moment in Frankreich, und die Antwort sagt mehr über Vertrauen als über Bluetooth.

Was passiert ist: eine Download-Welle „für alle Fälle“

Laut France 24 lag Bitchat mesh am Donnerstag auf Platz eins der App-Store-Charts, inmitten von Mobilisierungen an Gymnasien und Protesten wegen der Kaufkraft. BFMTV weist darauf hin, dass derzeit keine Abschaltung geplant ist, die Aufrufe in sozialen Netzwerken zum Download der App sich aber weiter häufen, angeheizt durch Gerüchte über Verbote sozialer Medien.

Die App wurde von Jack Dorsey entwickelt und im Juli 2025 angekündigt. Sie versendet Nachrichten über Bluetooth-Low-Energy-Mesh-Netze, ohne Internet, Konten oder Telefonnummern.

Der Ausschlag misst Sorge, nicht Bedarf

In Frankreich ist derzeit niemand abgeschnitten. Die Leute kaufen einen Feuerlöscher, bevor es brennt. Das ist unserer Ansicht nach die eigentliche Geschichte: Ein Gerücht genügte, damit ein Teil der Nutzer seine gewohnten Messenger als etwas ansieht, das abgeschaltet oder überwacht werden könnte.

Das ist in begrenztem Maß vernünftig. Ausweichkanäle kosten wenig, und Bitchats Vorgeschichte ist der Grund, warum man an die App denkt. Laut Wikipedia-Eintrag wurde sie bei lokalen Internetsperren in Ländern wie Madagaskar, Iran, Uganda, Nepal und Indien genutzt. Frankreich gehört nicht in diese Kategorie, und das sollte man unserer Meinung nach klar sagen. Die Aura dieser Fälle zu borgen heißt nicht, vor denselben Bedingungen zu stehen.

Ein Mesh-Chat ist nur so gut wie die Menschen um Sie herum

Die physikalischen Grenzen sind keine Fußnote. Der Beitrag auf dev.to beschreibt Weiterleitungen über bis zu sieben Hops und gibt die Bluetooth-Verbindung zwischen Geräten mit etwa 30 Metern an. Eine andere Erklärung auf malware.news nennt für Bluetooth rund 10 bis 100 Meter. So oder so ist das ein Chat für eine Straße oder einen Platz, nicht für eine Stadt.

Die zweite Grenze ist die Dichte. Ein Mesh braucht andere Menschen in der Nähe, die die App nutzen, und die Installation am Abend vor einer Demonstration garantiert das nicht. Unsere Prognose: Viele der Downloads dieser Woche werden ungeöffnet bleiben, und in einer Menge Fremder kann das Netz lückenhaft sein. Die App nutzt für größere Reichweite zudem das internetbasierte Protokoll Nostr, und laut Wikipedia weichen Direktnachrichten darauf aus, wenn Bluetooth nicht verfügbar ist. Nützlich, aber dann ist es nicht mehr rein offline.

„Verschlüsselt“ heißt nicht „sicher für sensible Zwecke“

Hier wären wir am vorsichtigsten. Wikipedia berichtet, dass kurz nach dem TestFlight-Start ein Forscher entdeckte, dass man sich als anderer Nutzer ausgeben konnte. Dorsey erklärte daraufhin, das Projekt sei in Arbeit, habe keine externe Sicherheitsprüfung durchlaufen und erfülle womöglich seine Sicherheitsziele nicht. Ein separater Medium-Beitrag eines selbsternannten Sicherheitsforschers behauptet kritische Schwachstellen, darunter Identitätsfälschung und schwache Schlüsselspeicherung. Das ist die unbelegte Behauptung einer einzelnen Person und wir können sie nicht bestätigen, doch sie weist in dieselbe Richtung.

Starke Kryptografie nützt nichts, wenn man nicht sicher sein kann, wer am anderen Ende sitzt. Funktionen wie zufällige Peer-IDs pro Sitzung und ein Notfall-Löschen per Dreifachtipp sind gute Designzeichen. Ein Audit sind sie nicht.

Unser Fazit

Installieren Sie die App, wenn Sie neugierig sind, und betrachten Sie sie als Reserve, um mit Menschen in physischer Nähe zu sprechen, falls Netze überlastet sind oder ausfallen. Betrachten Sie sie nicht als Anonymisierungswerkzeug, und senden Sie nichts, was Ihnen schaden würde, wenn es öffentlich würde. Verabreden Sie vorab mit Freunden, wie Sie einander verifizieren, und behalten Sie auch Ihren üblichen Messenger.

Die interessantere Lehre gilt den großen Plattformen. Wenn ein Bluetooth-Chat mit IRC-artigen Befehlen wegen eines Gerüchts die App-Store-Charts anführt, liegt das Problem nicht in Bitchats Feinschliff. Es liegt darin, für wie brüchig die Menschen ihre alltäglichen Kanäle halten.

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